Rückmeldung zum Beitrag „Pflegenotstand: Das Geschäft mit der Hoffnung“

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Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Intendant Knuth,

mit einiger Überraschung habe ich Ihren Beitrag „Pflegenotstand: Das Geschäft mit der Hoffnung“ (12.05.2021, auch im Internet verfügbar) zur Kenntnis genommen. In diesem Beitrag werde ich falsch wiedergegeben. Darüber hinaus wird auch einer meiner Vertragspartner, ein Herr Heuer, zitiert. Dieser sagt allerdings falsche Sachen über mein Unternehmen. Ich bin dazu nicht mehr befragt worden.

Im Einzelnen geht es um Folgendes: In Ihrem Betrag werden zwei „LIA-Unternehmen“ wie eine einzige Firma behandelt. Wie ich Ihrem Journalisten, Herrn Johannes Tran jedoch erläutert habe, gibt es in Vietnam ein Unternehmen LIA Vietnam, das nichts mit mir zu tun hat, und mein Unternehmen LIA Beratung und Übersetzung in Deutschland. LIA Vietnam ist ein Ausbildungsinstitut in Vietnam. Dort erhalten Schüler und Schülerinnen, die sich für einen beruflichen Einsatz im Ausland interessieren das erforderliche Training. Dies besteht aus Social Skills, Sprachkursen und ganz praktischen Leistungen, wie die Beratung und Hilfe bei der Beantragung eines Visums. Die Vergütung von LIA Vietnam ist sehr individuell und keineswegs immer „10.000,00 €“. Vielmehr hängt die Vergütung davon ab, welche Leistungen von LIA Vietnam erbracht werden, ob beispielsweise eine Unterbringung benötigt wird, die wir den Schülern für eine sehr geringe Eigenbeteiligung zur Verfügung stellen, oder wie umfangreich die erforderlichen Sprachkurse ausfallen müssen. Bei der in Ihrem Beitrag genannten Frau Thu ging es beispielsweise darum, dass diese auch noch eine Wohnung brauchte. Andere Schüler und Schülerinnen, die nach Deutschland als Fachkräfte vermittelt werden, erhalten von LIA Vietnam eine entsprechende Ausbildung. LIA Vietnam führt die Sprachkurse größtenteils selbst durch. LIA Vietnam ist ein renommiertes Sprachinstitut und eines von wenigen, welches vom vietnamesischen Ministerium für Erziehung und Bildung mit dem Zertifikat für Bildungs- und Fortbildungsaktivitäten anerkannt wurde. Dort werden viele deutsche Muttersprachler und Sprachwissenschaftler der Germanistik beschäftigt. Besonders hervorzuheben ist die kleine Gruppengröße mit maximal zehn Teilnehmern pro Kurs. Es ist also nicht so, dass lediglich Sprachkurse organisiert werden, wie Sie in Ihrem Beitrag behaupten.

 

Dass eine Ausbildung in Vietnam Geld kostet, ist an der Tagesordnung. Dies ist anders als in Deutschland. Auch bei Ausbildungsberufen müssen die entsprechenden Schulen bezahlt werden. Man erhält nicht wie hier eine Ausbildungsvergütung. Das macht für viele Schüler und Schülerinnen den Einsatz in Deutschland so interessant. Zwar müssen diese Unternehmen wie LIA Vietnam für Sprachkurse, Social Skills und EDV-Kurse und die Visumsformalitäten bezahlen, sie erhalten dann allerdings ein bezahltes Arbeitsverhältnis oder eine bezahlte Ausbildung in Deutschland sowie im Anschluss an ihre Ausbildung regelmäßig auch gute Berufschancen. Letzteres fehlt in Vietnam, selbst wenn man dort seine Ausbildung abgeschlossen hat.

Zu den Leistungen von LIA Vietnam gehört es auch, den Schülern und Schülerinnen bei der Beschaffung des für die Visumsbeantragung notwendigen Nachweises eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes behilflich zu sein. Dabei unterstütze ich LIA Vietnam mit meinem Unternehmen LIA Deutschland als Dienstleister für LIA Vietnam. LIA Deutschland bekommt dafür kein Geld von den Schülern und Schülerinnen. Vielmehr finanziert sich mein Unternehmen über die Vergütung, die ich von den hiesigen Ausbildungs- und Einsatzstellen erhalte. Meine diesbezüglichen Leistungen beginnen erst mit der Einreise der Schüler und Schülerinnen in der Bundesrepublik, wo ich sie beim Start ins Ausbildungs- bzw. Berufsleben begleite. Hier sorge ich dafür, dass die Schüler und Schülerinnen einen Ausbildungsplatz bekommen, bei dem sie mindestens 1.000 € im Monat verdienen. Ich organisiere eine Wohnung nahe des Ausbildungsbetriebes, führe regelmäßige Feedback-Gespräche mit der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle und betreue die Schülerinnen und Schüler, wenn sie hier mit der deutschen Mentalität Schwierigkeiten haben, was leider häufig der Fall ist. Das ist in den Angeboten enthalten, die ich mit den Ausbildungs- und Einsatzstellen aushandele. Eine Vermittlungsgebühr von den Schülerinnen und Schülern bekomme ich nicht.

ảnh từ bài báo của đài NDR Pflegenotstand: Das Geschäft mit der Hoffnung

 

Aufgrund Ihres Berichts habe ich aktuell einen erheblichen Diskussionsbedarf mit einem meiner größten Partner und Kunden, bpa, der von Ihrem Journalisten und Ihrem Beitrag den Eindruck gewonnen hat, ich würde hier von den Schülern und Schülerinnen Geld nehmen, was nicht der Fall ist. Wenn ich den Partner bpa verlieren sollte, würde ich mich wegen dieser Falschdarstellungen auch mit Schadensersatzansprüchen an Sie wenden, was ich natürlich nicht möchte.

Besonders schockiert war ich allerdings, dass Sie einen meiner Kunden, Herrn Heuer, mit lauter Aussagen zitieren, die falsch sind, und mit denen ich nicht konfrontiert worden war. So heißt es beispielsweise, er sei fassungslos gewesen, als er von den angeblich von den Schülern zu zahlenden Gebühren gehört habe. Diese Gebühren gibt es aber nicht. Die Schüler und Schülerinnen bezahlen für eine Ausbildung in Vietnam, aber hier eben nichts. Es ist auch nicht richtig, dass Herr Heuer keine Möglichkeit gehabt hat, Auszubildende vorher kennen zu lernen. Wir haben ihm mehrfach (er arbeitet seit längerem mit uns zusammen) Bewerbungsbögen geschickt und er hat uns immer nach wenigen Tagen bereits die Ausbildungsverträge zurückgeschickt. Wir organisieren immer Gespräche mit den Schülern und Schülerinnen, wenn dies gewünscht ist und viele möchten das auch, aber Herr Heuer hat diese Frage an uns nie gestellt. Besonders habe ich mich geärgert, dass es heißt, dass Herr Heuer jetzt Sprachkurse bezahlt. Tatsächlich bezahle ich diese Sprachkurse. Mir ist nicht bekannt, dass die Auszubildenden von Herrn Heuer noch einen Sprachkurs bei einem anderen Unternehmen machen, das Herr Heuer bezahlt. Er sagt hier schlicht nicht die Wahrheit und ich hätte dies gerne richtiggestellt, wie auch bei der Möglichkeit zum vorherigen Kennenlernen.

 

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Frau Thu wird von uns sehr intensiv betreut. Sie hat Ihnen sicherlich auch erzählt, dass sie an ihrer vorherigen Arbeitsstelle Schwierigkeiten hatte und wir ihr dann einen neuen Ausbildungsplatz (eben bei Herrn Heuer) vermittelt haben. Selbstverständlich haben wir von Frau Thu dafür kein Geld genommen.

Ich habe den Eindruck, Sie wollten gerne über einen „Pflegenotstand“ und eine Ausbeutung von asiatischen Schülern und Schülerinnen schreiben. Es ist aber bedauerlich, dass dabei so oberflächlich recherchiert wurde. Ich hätte dies vom NDR nicht erwartet, zumal ich die Sachlage Ihrem Journalisten sehr ausführlich dargelegt habe. Offenbar waren Sie aber schon vorher mit Ihrer Berichterstattung festgelegt und nicht mehr an den Fakten interessiert.

Ich erlebe im Augenblick im Netz einen shitstorm als Reaktion auf Ihren Artikel. Als Presse hat man viel Verantwortung. Ich denke, dieser muss man auch Genüge tun, indem man sorgfältig arbeitet. Tatsächlich lassen Sie mich jetzt mit den Folgen allein und haben bei allen meinen Kunden und Partnern den Eindruck erweckt, ich würde hier etwas rechtlich oder auch moralisch Fragwürdiges machen, was schlicht nicht stimmt. Liegt das etwa daran, dass ich auch Vietnamesin bin und mit einem vietnamesischen Unternehmen zusammenarbeite? Über Herrn Heuer und seine Behandlung meiner Schüler und Schülerinnen haben Sie nicht berichtet, aber er ist auch Deutscher und ich nicht.

Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihren Beitrag korrigieren, Herrn Heuer noch einmal zum richtigen Sachverhalt befragen (Videoanrufe und Bezahlung eines Sprachkurses). Zumindest aber erwarte ich, dass Sie im Internet Ihren Beitrag richtigstellen.

Gerne höre ich von Ihnen und verbleibe

Thi Van Anh Ohsieck

LIA Beratung und Übersetzung

P.S.: Sicher haben Sie gesehen, dass die günstigsten Sprachkurse beim Goethe Institut in Hanoi zwischen 700,00 € und 1.500,00 € bis zum Niveau B1 kosten – und damit sind noch nicht Unterkunft, Krankenversicherung, Flugtickets nach Deutschland, Visumsgebühren und –Begleitung sowie sonstige Kurse wie etwa EDV erfasst. Dies dürfte den aus Ihrer Sicht so gigantischen Betrag von € 10.000,00 deutlich relativieren. Leider schreiben Sie dazu auch nichts.

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